Panorama Ulm
Panorama Ulm
Ansichtssache...
Ansichtssache...

Die Walzmühle in Vöhringen

Der Abriss 1997

Weitere Mühlenbilder und Galerien gibt es unter dem Reiter Mühlenbilder, die Seite ist hier verlinkt! Der Abriss der Walzmühle in Vöhringen war eines der ersten Motive auf der Homepage, und die damals erstellten Dias waren die Grundlage eigener Fotoausstellungen...

Keine Vernissage ohne Eröffnungsrede...

Hier der Originaltext zur Ausstellungseröffnung im Museum der Brotkultur, 2004

„Der Tod der alten Mühle“,

zugegeben, eine etwas merkwürdige Überschrift für eine

Fotoausstellung.  Der Titel ist erklärungsbedürftig.

Leben und Tod, so wissen wir alle, gehört zusammen.

Aber, steckt in einer Mühle „Leben“?

Leben, nicht vom Müller, seiner Familie oder seinen Gehilfen,

und nicht von den Nagern, die -  zumindest früher - nicht weit von der Mühle waren? Ich meine ja.

Zuerst im übertragenen Sinn: Da ist die Lebensader die

Antriebswelle, die Transmission, und egal ob nun mit Wasser,

Wind oder Strom betrieben –  ist der Antrieb eingekuppelt

rumpelt die Mühle gewaltig!

Wenn Sie also einen Müller fragen, ob seine Mühle lebt, dann

müsste er, aus meiner Sicht,  diese Frage klar mit „ja“

beantworten. Auch Herr Dr. Mühlhäuser, der letzte Besitzer der Walzmühle, sagte im Gespräch vor wenigen Tagen:

„ … die letzten Walzenstühle sind mit der Mühle gestorben!“
 

Aber auch Leben im eigentlichen Sinne: Getreide, Mehl und

Brot als Lebensmittel – als Mittel zum Leben.

Der Tod, das Ende, die „finale Tragödie“ –  für alle Beteiligten ein emotionales Ereignis.

Bei der Walzmühle ist es, rund 25 Jahre nach der

Stilllegung,  318 Jahre nach der Gründung im Jahre 1679,

der Abriss.  So erklärt sich der Titel der Ausstellung, zu der auch ich sie alle herzlich willkommen heiße.
 

Die Mühle ist also untrennbar mit dem Brot -

mit dem Leben – verbunden.

Im Logo der Eiselen-Stiftung, der Trägerin des Museums

der Brotkultur, steht eine symbolisierte Ähre. Man kann sagen, dass sich mit den „Mühlenbildern“ hier im Museum der Kreis geschlossen hat.

Mein erstes Mühlenerlebnis war im Vorschulalter.

Nach der Ernte, bei der noch hunderte von Stricken ausgelegt werden mussten, Garben gebunden und schließlich auf dem  Leiterwagen in die Scheuer eingebracht wurden, kam das Dreschen. Mit dem Mähdrescher ist das ein Arbeitsgang, Inline-Fertigung gewissermaßen. Aber dann ging es in die Mühle, vorgespannt ein alter Lanz, grün mit schwarzem Kamin. Mein Opa hat in der Mühle gleich Korn gegen Mehl getauscht, später, nach dem Mahlen, aber auch Mehl vom eigenen Korn zurückbekommen.

Die Mühle stand in Laubach, inzwischen ein Ortsteil von

Abtsgmünd, etwa 20 km von Aalen entfernt, direkt an der Lein. Noch heute habe ich, so glaube ich jedenfalls, den

eigentümlichen Geruch der Mühle in der Nase.

Ein kleiner Einschub sei an diese Stelle erlaubt:

Oma hat selbst gebacken, dunkles Brot und unver- gleichlichen  Hefezopf. Und „Spätzlä“ ohne Mehl sind ja auch undenkbar!

Auch wenn ohne die Ernährungswissenschaften und die

Agrarwirtschaft, ohne Lebensmittelindustrie und Zusatzstoffe

die Ernährung der Bevölkerung undenkbar wäre, die Beziehung zu den Lebensmitteln hatte vermutlich nicht nur für mich eine andere Qualität.

Ich will es mal so formulieren: Auf dem Dorf zumindest kannte man seine Lebensmittel noch „persönlich“ und ging

entsprechend damit um.

Einige Tage vor dem Abriss bot sich die einmalige Gelegenheit, in die Vöhringer Walzmühle hineinzukommen. In den nächsten Wochen habe ich die Ereignisse auf Kleinbilddias festgehalten, von denen Sie hier eine Auswahl auf Fotopapier sehen.

Die Bilder sind, heute nicht mehr selbstverständlich, nicht verfälscht oder nachbearbeitet worden.  Die Abrissbilder sind Momentaufnahmen, die Szenerie war logischerweise nicht wiederholbar.  Es sind keine Ausschnittsvergrößerungen und es gab außen auch kein Kunstlicht, somit war die Beleuchtung oder Ausleuchtung nicht beeinflussbar.

Die Fotoabzüge schließlich entstanden im Großlabor.

 

Fotografie kann ohne große Technik auskommen -

man muss nur das Wesentliche sehen. Die eigentlichen

„Negative“ entstehen dann im Auge und im Kopf.

Vom Lehrgeld habe ich mir 1978 die erste Spiegelreflex- kamera gekauft. Diese Kamera wird noch immer aufbewahrt, auch wenn sie inzwischen 4 Nachfolger gefunden hat.

Seither sind tausende von Dias entstanden, von denen rund

13.000 ausgewählte Motive in Magazinen stehen.

Einige Worte noch zu der Mühle und den Bildern:

Die Annäherung an die Mühle erfolgt von der Höhe über

Bellenberg, der Mühlenkomplex steht dominierend im Illertal,

nahe dem Umspannwerk der Lechwerke. Das Gebäude,

5 Stockwerke hoch, ragt fast 20 m in den Himmel. Vor der

Stilllegung konnten hier täglich 40 Tonnen Getreide gemahlen werden. Weizen und Roggen wurden in dieser „Kunstmühle“ gemahlen. Das Turbinenhäuschen der Mühle steht noch heute und speist Strom ins Netz ein.  Bereits 1898 wurde hier das Wasserrad durch eine Turbine ersetzt.

Aus der Nähe wird dann die Dimension der Anlage deutlich,

interessante Details werden sichtbar.
Die Innenaufnahmen, ca. 2 Wochen vor dem Abriss zeigen

an der Tafel noch die letzten Aufzeichnungen, 25 Jahre alt!

Ein stiller Blick auf den von Bellenberg kommenden Mühlbach, die Ausleitung des Baches erfolgt aus der Iller bei Altenstadt.

Auf seiner Strecke hat er schon mehrere Mühlen gesehen,

zuletzt die Vogtmühle in Illertissen, die die 10-fache Kapazität

der Walzmühle hat, und die stillgelegte Mühle in Bellenberg.

Das seit Jahren schon schief hängende Schild am Aufzug.

Man sieht die noch vorhandenen Maschinen:

Eine Sackabfüllanlage, der Schrotstuhl, ein Walzenstuhl,

von denen sich der Namen Walzmühle ableitet, 

Rüttelsiebe, so groß wie ein Stockwerk .

Der Rest der Anlage war längst verkauft, Teile bis nach

Rumänien. Dann kommt der Abrissbagger:

Schlagartig verändert sich das Bild, Wände fallen,

andere werden dadurch sichtbar.

Die Getreidesilos, jetzt erst werden die Kammern deutlich,

der Vakuum-Trockner, mehrere Stockwerke hoch.

Mit ihm hat die im Illertal recht bedeutende Walzmühle

Vöhringen auf den Packungen um die Kundschaft zwischen

Ulm und dem Kleinwalsertal geworben.

Wenn auch die Bezeichnung „steriles Mehl“ – weil eben aus

diesem Vakuumtrockner – so nicht haltbar ist.

Die Becherkette, vom Abrissbagger wie eine Trophäe stolz in

den dramatisch bewölkten Himmel gehoben – teilweise Bilder wie im Krieg!

Alles wird umweltgerecht sortiert, dabei entstehen Collagen.

Einzelne Fenstergläser überstehen alle Misshandlungen, des

Baggers. Steine werden zu farbigem Staub.

Dann ist das zerstörerische Werk vollbracht und Ruhe kehrt

ein.

 

Danke an alle, die mir geholfen haben diese Ausstellung zu

realisieren:

Der Eiselen-Stiftung, an der Spitze Herr Dr. Fadani, ohne den

es diese Ausstellung nicht gegeben hätte.

Herr Dr. Fadani hatte den Mut, einem „namenlosen“ ein

solches Forum zu bieten!

Dem Förderverein, der sich an den Kosten beteiligt –

ich habe mich bemüht, diese niedrig zu halten!

Schneidersöhne Papier und die Papierfabrik Scheufelen haben mir freundlicherweise den Zellstoff gestiftet, aus dem die Passepartouts geschnitten wurden.

Bei den geschichtlichen Angaben haben die Familien

Eugen Mareis, Vöhringen und Herr Dr. Otto Mühlhäuser

mitgeholfen. Herr Mühlhäuser lebt vorwiegend in Hamburg

und ist derzeit im Urlaub. Von ihm stammen auch die

Leihgaben in den Vitrinen.

Die zeitlichen Angaben konnten anhand eines

Buchmanuskriptes von Peter Wischenbarth, Kreisarchivar des Landkreises Neu-Ulm, überprüft werden.
 

Nun wünsche ich ihnen allen etwas Zeit, die Bilder und

Vitrinen zu betrachten.

Es sind auch Gäste hier, die die Mühle kannten und bestimmt

auch noch was zu erzählen haben.

Machen sie sich ihre eigenen Gedanken oder folgen Sie den

meinen!

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

... aktuelle Ausgaben!

Das Journal im Überblick:

poster und Kunstdrucke kaufen

Einige meiner Motive können bei ARTFLAKES auch erworben werden....

Themen und Impressionen

Bark "ARTEMIS" auf der Kieler Woche 2016 Die "ARTEMIS" auf der Kieler Förde
MS NORDKAPP im Hafen von Molde Die Hurtigruten, 2013

Fototipps -                       Hilfen und Anregungen...

Marble-Mouse mit Hinweis und Link zu den Fototipps. ... hier geht es zu den Fototipps!
Pflastersteine mit Farbresten Das Forum - Bunt wie das Leben!

Die aktuellen Themen im Forum:

 

Buchtipp: J. J. Eschels

Eine besondere Biographie

mit einem Gastbeitrag.

 

Streuobstwiesen/Gastbeitrag

Das Jahresthema 2015!

 

Frau Turners Geschichte

Zeitgeschichte...

 

Pflanztag im Allgäu

Handlungsbedarf...

Hinweis zur Rubrik Kugelbilder in Bildbearbeitungen Kugelbilder...
Ein Kugelbild entsteht, Community Ulm LIVE! Fototouren - die Community Ulm LIVE!
Stockholm, Altstadt Stockholm, Gamla Stan, Juni 2010
Wolkenhimmel mit Monatsnamen Bild des Monats...
Bilder zur "Stillen Zeit" Bilder zu Advent & Weihnachten
Gemuesestand Marktstand

Die Erfahrungen von Generationen:

Die Bauernregel des Tages!

von bauernregeln.net

Antrieb einer Muehle Mühlenantrieb
alt+Ausschnitt Räderwerk Hier gibt es Technik pur...
Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
© Thomas Haas, D 89287 Bellenberg, 2010 - 2017
Ansichtssache - Ansichten und Einsichten von Thomas Haas, Bellenberg